Nichts bleibt wie es ist.

Seit 2011 ist er als Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung maßgeblich am Aufschwung im Bezirk Lichtenberg beteiligt. Während seines langjährigen Wirkens als Stadtrat in Lichtenberg und früher auch in Marzahn war er für unterschiedliche Ressorts (u.a. Wirtschaft und Finanzen bzw. Bürgerdienste und Soziales) zuständig und bringt somit einen breiten Erfahrungsschatz mit, um die Lichtenberger Bezirkspolitik zu bereichern.

Werdegang

Wil­fried Nün­thel wur­de am 6. Janu­ar 1955 in Gera (Thü­rin­gen) gebo­ren, absol­vier­te nach dem Abitur eine Aus­bil­dung zum Bau­ar­bei­ter, been­de­te sein Stu­di­um als Diplom-Phi­lo­so­ph. Von 1977 bis 1990 war er Mit­ar­bei­ter bei der Demo­kra­ti­schen Bau­ern­par­tei Deutsch­lands (DBD) auf Bezirks- und Par­tei­vor­stands­ebe­ne. Nach Arbeits­lo­sig­keit, Umschu­lung und ABM war Herr Nün­thel im Sozi­al­amt Mar­zahn tätig und wur­de 1993 zum Bezirks­stadt­rat für Bau­en, Woh­nen und Umwelt, ab 1994 amtie­rend auch für Wirt­schaft und Finan­zen gewählt. Von 1995 bis 2000 war er Bezirks­stadt­rat für Stadt­ge­stal­tung und Umwelt­schutz von Mar­zahn. Von 2000 bis 2006 Bezirks­stadt­rat für Bür­ger­diens­te und Sozia­les in Lich­ten­berg. 2007 bis 2010 Geschäfts­füh­rer Job­Cen­ter Trep­tow-Köpe­nick und 2010 bis 2011 Lei­ter des Sozi­al­am­tes im Bezirks­amt Mar­zahn-Hel­lers­dorf. Im Novem­ber 2011 wur­de er zum Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung im Bezirks­amt Lich­ten­berg gewählt, dabei ist er zustän­dig für das Stadt­ent­wick­lungs­amt, das Stra­ßen- und Grün­flä­chen­amt sowie das Umwelt- und Natur­schutz­amt.

Ausführliches Portrait

Ein Rekord kommt nach dem ande­ren: Als Bezirks­stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung kann Wil­fried Nün­thel seit sei­ner Amts­über­nah­me im Jahr 2011 Super­la­ti­ve ver­bu­chen. Denn Ber­lin wächst – und Lich­ten­berg wächst mit. Sogar schnel­ler als ande­re Bezir­ke, betrach­tet man die Zahl der Bau­ge­neh­mi­gun­gen. Da liegt Lich­ten­berg, das man­che schon zum kom­men­den Ber­li­ner Trend­be­zirk aus­ge­ru­fen haben, stets an Spit­zen­po­si­tio­nen. Neue Vier­tel ent­stan­den in Karls­hor­st, sowohl Eigen­hei­me und Eigen­tums­woh­nun­gen als auch Miets­häu­ser wie sie die Howo­ge an der Tres­ko­wal­lee (Tres­kow­hö­fe) errich­te­te. Aber auch in ande­ren Tei­len des Bezirks wur­de und wird gebaut, denn Woh­nun­gen, vor allem für brei­te Schich­ten bezahl­ba­re, wer­den gebraucht. Unter einem Pro­zent beträgt der Leer­stand der­zeit durch­schnitt­li­ch in Lich­ten­berg, in beson­ders gefrag­ten Quar­tie­ren wie bei­spiels­wei­se der Vic­to­ria­stadt, im Weit­ling­kiez oder rund um den Frei­a­platz ist kaum noch Wohn­raum zu fin­den. Poten­zia­le für rund 10.000 neue Woh­nun­gen hat der Bezirk in sei­ner Bereichs­ent­wick­lungs­pla­nung Woh­nen fest­ge­schrie­ben. Gebaut wer­den soll in naher Zukunft auch dort, wo es bis­her Bra­chen oder rie­si­ge Grün­flä­chen gab. 

Man rückt enger zusam­men
Lich­ten­berg wird ver­dich­tet, man rückt enger zusam­men. Das gefällt nicht jedem. Auf Anwoh­ner­ver­samm­lun­gen gibt es regel­mä­ßig Wider­spruch, wenn auf weit­räu­mi­gen Höfen neue Häu­ser ent­ste­hen sol­len, Bäu­me gefällt wer­den müs­sen, die gelieb­te und ver­trau­te Aus­sicht ver­schwin­det. Wil­fried Nün­thel kann die Vor­be­hal­te der lang­jäh­ri­gen Bewoh­ner ver­ste­hen. Er weiß aber auch, wie drin­gend ande­re, dar­un­ter vie­le jun­ge Fami­li­en, Stu­den­ten, Neu-Ber­li­ner, Woh­nun­gen brau­chen. »Nichts bleibt wie es ist«, sagt er phi­lo­so­phi­sch. Den Spruch gebraucht der 61-Jäh­ri­ge gern. Man darf ihn durch­aus als sei­ne Lebens­ma­xi­me ver­ste­hen, bün­delt er doch sowohl die poli­ti­schen als auch die ganz per­sön­li­chen Erfah­run­gen des gebür­ti­gen Thü­rin­gers.

Erfah­re­ner Kom­mu­nal­po­li­ti­ker
Denn der Lebens­weg des Soh­nes einer Bau­ern­fa­mi­lie (drei Geschwis­ter, die Eltern arbei­te­ten in der LPG und hat­ten noch Vieh auf dem eige­nen Hof) war durch­aus geprägt von Brü­chen und Unwäg­bar­kei­ten. Wer hät­te sei­ner­zeit gedacht, dass der Jun­ge aus dem klei­nen Dorf Lin­den­kreuz, einer Ort­schaft mit nur etwa 300 Ein­woh­nern nahe des Herms­dor­fer Kreu­zes, spä­ter als Stadt­rat Ver­ant­wor­tung für die Ent­wick­lung in Ber­li­ner Bezir­ken haben wür­de, die mehr als drei­mal so vie­le Ein­woh­ner ver­zeich­nen wie sei­ne Geburts­stadt Gera? Ins­ge­samt 20 Jah­re lang ist Wil­fried Nün­thel schon in ver­schie­de­nen Res­sorts als Stadt­rat tätig, zuer­st in Mar­zahn, seit 2001 in Lich­ten­berg. Nicht naht­los, zwi­schen­durch wirk­te er auch in ande­ren Berei­chen, war Lei­ter des Job­cen­ters Trep­tow-Köpe­nick und des Sozi­al­am­tes Mar­zahn-Hel­lers­dorf. Zur Wahl am 18. Sep­tem­ber tritt Wil­fried Nün­thel als bezirk­li­cher Spit­zen­kan­di­dat der CDU in Lich­ten­berg an.

Abitur – und zunächst kein Stu­di­en­platz
Am Anfang sei­ner Berufs­tä­tig­keit stand erst ein­mal ein ver­patz­tes Abitur mit einer Fünf in Rus­si­sch (»Ich hab’ das ein­fach nicht in mei­nen Kopf gekriegt«), womit sich der Wunsch nach einem Land­wirt­schafts-Stu­di­um erle­digt hat­te. Die Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le sag­te ab und 1973 wuss­te der frisch­ge­ba­cke­ne Abitu­ri­ent zunächst nicht, was er machen soll­te. Er ging als Unge­lern­ter zum Melio­ra­ti­ons­bau Gera, qua­li­fi­zier­te sich, bedien­te eine 10-Ton­nen-Stra­ßen­wal­ze und Bag­ger, bau­te Stra­ßen und Wege. Doch als er sei­ne Frau Chris­ti­ne ken­nen­lern­te, die aus einem Nach­bar­ort kam und mit der er bis heu­te glück­li­ch ver­hei­ra­tet ist, wur­de ihm das Leben bei der Melio­ra­ti­on (»Man schlief ja oft auch auf den Bau­stel­len«) zu viel. Wil­fried Nün­thel sat­tel­te um und wur­de Mit­ar­bei­ter im Bezirks­vor­stand Gera der Demo­kra­ti­schen Bau­ern­par­tei Deutsch­lands (DBD), der mit Abstand jüngs­te Beschäf­tig­te dort. Auch die Zen­tra­le der DBD brauch­te Nach­wuchs­kräf­te – nach eini­gen Jah­ren zog die jun­ge Fami­lie nach Ber­lin, Wil­fried Nün­thel wur­de Refe­rent im Par­tei­vor­stand. Der ein­zi­ge Sohn, heu­te Inge­nieur, war damals noch ein Drei­kä­se­hoch. 1983 begann Nün­thel ein Fern­stu­di­um der Phi­lo­so­phie, sein Diplom ver­tei­dig­te er im April 1989, dem Jahr der poli­ti­schen Wen­de in der DDR.

1989 erst­mals in die Poli­tik
In die­sem Jahr, das den Umbruch brach­te, ging es für Wil­fried Nün­thel auch erst­mals in die Poli­tik: Für die Bau­ern­par­tei kan­di­dier­te er erfolg­reich im Mai für die Stadt­be­zirks­ver­samm­lung Mar­zahn. Nach dem 7. Okto­ber 1989, wo Regime­kri­ti­ker auch in Mar­zahn in Sam­mel­stel­len gesperrt wor­den waren, gehör­te er dem Unter­su­chungs­aus­schuss an, der im Bezirk der Fra­ge nach der Ver­ant­wort­lich­keit für die­se Ereig­nis­se nach­ging. Im Som­mer 1990, nach­dem die DBD in der Christ­li­ch Demo­kra­ti­schen Uni­on (CDU) auf­ge­gan­gen war, wur­de auch Wil­fried Nün­thel, kon­fes­si­ons­los, Christ­de­mo­krat. Weni­ge Mona­te dar­auf wur­de er schon zum stell­ver­tre­ten­den Kreis­vor­sit­zen­den in Mar­zahn gewählt, ein Ehren­amt. Als haupt­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter im Par­tei­ap­pa­rat wur­de er wie vie­le ande­re ent­las­sen – einen Tag, nach dem die CDU im Dezem­ber 1990 die Bun­des­tags­wahl gewon­nen hat­te. »Da war ich erst ein­mal arbeits­los, eine ganz neue Erfah­rung«, erin­nert sich Nün­thel.

Auf­bau der Wohn­hil­fe
Doch Trüb­sal bla­sen liegt ihm nicht. Er begann rasch eine Umschu­lung, um sich von die­ser aber auch schnell wie­der zu ver­ab­schie­den: »Betriebs­wirt­schaft«, erklärt er. Das habe ihm nicht gele­gen, zu vie­le Zah­len, zu wenig Men­schen. Des­halb such­te er sich eine ABM-Stel­le als Mie­ter­be­ra­ter bei der Ber­li­ner Mie­ter­ge­mein­schaft. »Die kam ja aus der alter­na­ti­ven Sze­ne, als CDU-Mit­glied war man da schon ein eher sel­te­ner Vogel«, schmun­zelt er. Den­no­ch habe man kol­le­gi­al gut zusam­men­ge­ar­bei­tet. 1991 bewarb sich Nün­thel beim Sozi­al­amt Mar­zahn, das damals die sozia­le Wohn­hil­fe auf­bau­te, und bekam die Stel­le: »Im Dezem­ber 1991 hat­ten wir einen Fall, schon im nächs­ten Jahr waren es Hun­der­te, die bei uns Hil­fe such­ten«, sagt er. Es sei immer dar­um gegan­gen, Woh­nungs­lo­sig­keit zu ver­mei­den.

Sozi­al enga­giert
Wil­fried Nün­thel enga­giert sich schon lan­ge sozi­al, so bei­spiels­wei­se als ehren­amt­li­cher Vor­sit­zen­der des Ver­eins Kiek in e.V., der in Mar­zahn-Hel­lers­dorf Beschäf­ti­gung und Qua­li­fi­zie­rung för­dert, Kin­der- und Jugend­hil­fe leis­tet sowie Fami­li­en unter­stützt. Mit­ge­fühl müs­se sein, sei aber nicht aus­rei­chend, um wirk­sam zu hel­fen, sagt der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker. Sowohl im Sozi­al­amt als auch im Job­cen­ter wie auch als Stadt­rat oder in ande­ren ver­ant­wort­li­chen Posi­tio­nen sei es not­wen­dig, eine pro­fes­sio­nel­le Dis­tanz zu wah­ren – um die Pro­ble­me objek­tiv zu erken­nen und auf die­ser Basis lösen zu kön­nen. Zu Mun­de redet er nie­mand, ehr­li­ch blei­ben, ist sei­ne Devi­se. Auch wenn das manch­mal schwer­fällt, bei­spiels­wei­se, wenn er auf­ge­brach­ten Eltern erklä­ren muss, dass man­gels Finan­zen eine drin­gend erwünsch­te und eigent­li­ch auch erfor­der­li­che Schu­le jetzt noch nicht rea­li­sier­bar ist. Egal, wie hef­tig die Reak­tio­nen aus­fal­len, Nün­thel bleibt sach­li­ch, ent­geg­net nie unwir­sch. »Ich habe da mei­ne Mecha­nis­men ent­wi­ckelt«, sagt er. Ein Vor­fall aus der Kind­heit, den er sich immer wie­der vor Augen füh­re, hel­fe ihm dabei. »Als mein Bru­der mich ein­mal beim Abend­es­sen sehr gereizt hat, habe ich die But­ter genom­men und ihm ins Gesicht gewor­fen.« Dana­ch habe er sich sehr dafür geschämt und beschlos­sen, nie wie­der unbe­herrscht zu sein.

Lie­be zur Natur
Noch Eines hat sich Wil­fried Nün­thel seit sei­ner Kind­heit und Jugend bewahrt: die Lie­be zur Natur. Das Umwelt- und Natur­schutz­amt, das ihm unter­steht, gibt all­jähr­li­ch einen Lich­ten­ber­ger Jah­res­ka­len­der her­aus, auf den er sehr stolz ist. Im ver­gan­ge­nen Jahr war er ein­hei­mi­schen Tie­ren und Pflan­zen gewid­met, in die­sem Jahr wer­den »Was­ser­le­be­we­sen in Lich­ten­berg« gezeigt. Unter Nün­thels Lei­tung wur­de auch der Aus­bau des Land­schafts­parks Herz­ber­ge zum Abschluss gebracht, ein Antrag zur Aus­wei­sung als Land­schafts­schutz­ge­bie­tes liegt schon seit län­ge­rer Zeit bei der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung zur Prü­fung.

Eige­ner Wald und Karp­fen­teich
Auch als Pri­vat­mann ist der Stadt­rat in Sachen Natur enga­giert: Denn in sei­nem Hei­mat­dorf besitzt er nicht nur einen 2.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Fisch­teich mit 80 bis 90 Karp­fen, son­dern auch einen gan­zen Wald. Bei­de gehör­ten zum elter­li­chen Erbe, zwei­ein­halb Hekt­ar Wald kauf­te er spä­ter dazu. Mehr als 6.500 Bäu­me hat er bereits gepflanzt, eine Ergän­zung zu den Kie­fern, die da schon stan­den. Buchen, Lär­chen, Dou­gla­si­en und Ahorn sol­len den Wald sta­bi­li­sie­ren, denn Mono­kul­tu­ren sind schäd­li­ch für eine gesun­de Wald­land­schaft.

Mehr­fach im Jahr tauscht der Poli­ti­ker sei­ne übli­che seriö­se Büro­k­luft mit Blau­mann und Gum­mi­stie­feln, um in sei­nem Wald zu arbei­ten. Die Fami­lie hilft dabei. Auch Ehe­frau Chris­ti­ne, stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Ber­li­ner und Che­fin der Lich­ten­ber­ger Frau­en­uni­on, packt mit zu. Reich wer­de man dabei nicht, sagt Nün­thel. »Aber man hin­ter­lässt etwas Blei­ben­des. Und die Arbeit an der fri­schen Luft macht den Kopf frei.« In sei­nem klei­nen Gar­ten im Bies­dor­fer Rei­hen­haus hat er eben­falls ein paar Bäu­me gepflanzt, dar­un­ter einen Apfel­baum – so wie Mar­tin Luther es emp­fahl.

1.000 Sei­ten Phi­lo­so­phie
Den Kopf frei von den Tages­pro­ble­men und –sor­gen bekommt Wil­fried Nün­thel auch beim Lesen. Im aus­ge­bau­ten Dach­bo­den sei­nes Häus­chens rei­hen sich Bücher dicht an dicht. Er mag kei­ne E-Books, son­dern gedruck­te Bücher aus Papier, das Gefühl des Sei­ten­ra­schelns beim Blät­tern, die Illus­tra­tio­nen. Zum Ent­span­nen zieht er Kri­mis vor, liebt aber auch his­to­ri­sche Roma­ne und his­to­ri­sche Sach­bü­cher. Im letz­ten Urlaub hat er den 1.000-seitigen Wäl­zer »Die Phi­lo­so­phie des Abend­lan­des« gele­sen, bis zum Schluss. »Da war end­li­ch ein­mal rich­tig Zeit dafür«, sagt er. Was er aus die­ser Lek­tü­re gelernt hat? Er lächelt: »Nichts bleibt wie es ist.«